von Stephan Schimek
Mit dem ersten Zusammentreffen des neuen Jahres knüpfte die Ars Iuris wieder an das der „Jour Fixe“-Veranstaltungsreihe inhärente Ziel an, den Fellows durch die Einladung rennomierter Expert:innen praxisnahe Einsichten und Perspektiven jenseits des wissenschaftlichen Spektrums zu eröffnen. Zu Gast war diesmal Martin Eichtinger, Direktor der Diplomatischen Akademie Wien. Das von Alexandra Salnikow und Roman Friedrich moderierte Gespräch samt anschließender Fragerunde bot Einblicke in die Arbeit eines hochrangigen Diplomaten mit langjähriger internationaler Erfahrung.
Schon während seines Jusstudiums in Graz stand für ihn fest, den Weg in den diplomatischen Dienst einzuschlagen. Nach kurzer Zeit im Außenministerium folgte eine erste „Mutprobe“ gleich zu Beginn seiner diplomatischen Laufbahn: ein gleichermaßen spannendes wie forderndes Jahr an der österreichischen Botschaft in Mexiko-Stadt.
Mit spürbarer Hingabe berichtete Eichtinger über seine Tätigkeit als persönlicher Sekretär des damaligen Außenministers Alois Mock in einer bewegenden Zeit, die außenpolitisch – nicht zuletzt durch das Beitrittsansuchen der Republik zur damaligen EG – einen bemerkenswerten Teilabschnitt österreichischer Zeitgeschichte markiert.
Anknüpfend an seine Funktionen, zunächst als Kabinettschef, später als Generalsekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, stellte seine Entsendung als Botschafter nach Rumänien eine prägende Etappe in seiner diplomatischen Laufbahn dar, die gleichwohl stark vom wirtschaftlichen Schwerpunkt der Mission geprägt war. Eichtinger verwies dabei auf erfolgreiche österreichische Investitionen etwa im Banken- und Energiesektor, wie beispielsweise die Übernahme der Banca Comercială Română (BCR) durch die Erste Group oder der ehemals staatlichen Petrom durch die OMV, und nannte damit zwei von mehreren wirtschaftlichen Errungenschaften, die Österreich zum zweitgrößten Auslandsinvestor in Rumänien machten.
Weniger von der Notwendigkeit diplomatischen Vermittlungsgeschicks in wirtschaftlichen Angelegenheiten, aber nicht minder von außenpolitischer Brisanz geprägt, verlief sein anschließendes Auslandsmandat im Vereinigten Königreich. Dieses fiel in eine Phase grundlegender Umbrüche und wurde insbesondere vom EU-Mitgliedschaftsreferendum sowie den damit verbundenen Implikationen des „Brexit“ bestimmt. Auch seine letzte Mission in Italien war von hoher außenpolitischer Relevanz gekennzeichnet, wobei unter anderem die bilaterale Weiterentwicklung der Südtirol-Autonomie zur Sprache kam.
Eichtinger hob die Vielfalt der Tätigkeitsfelder hervor, die im Rahmen seiner Missionen als Botschafter im Vordergrund standen, aber auch das Glück und die Bedeutung, stets auf einen stärkenden familiären Rückhalt zählen zu können.
Wir danken Herrn Direktor Martin Eichtinger und allen Anwesenden herzlich für ihre Teilnahme und freuen uns auf das nächste Event.
